2015-2016 Qualifizierung von "Integrationslotsen" für die insel-VHS MARL

 

 

 

 

Sept. 2015-März 2016 Qualifizierung von „Integrationslotsen” für die insel-VHS der Stadt Marl

 

 

Ausgangssituation: Der Kursus beruhte auf dem Modell „Integrationslotsen in Niedersachsen. Material für den Basislehrgang. Qualifizierung für das ehrenamtliche Integrationsengagement“ von Christina Müller-Wille, entwickelt  für das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, 2010.

 

Kooperationspartner: Die insel VHS Marl führte seit Sommer 2015 diesen unentgeltlichen Kursus dreimal als Trägerin durch. Teilweise referierten Hauptamtliche der Verwaltung wie die Leiter der Flüchtlingshilfe (Rahmenbedingungen) und der Psychologischen Beratungsstelle (Kommunikation), teilweise kamen Referenten anderer Träger wie der Caritas (Rechtliche Grundlagen), Diakonie (Kultursensibilität ) und der katholischen Einrichtung „Ehe, Familie, Leben“ (Umgang mit Traumatisierten) hinzu. 

Historikerin Angelika Müller arbeitete von Beginn an mit. (Siehe Foto vom ersten Informationstreffen, Quelle: Medienhaus Bauer, Marl). Sie konnte auch die Entwicklungshelferin Annette Straif aus Marl gewinnen, einen Erfahrungsbericht aus Kobane/Syrien zu geben.

 

Projektziel: Dem Modell entsprechend ging es um:

  • Unterstützung von Flüchtlingen bei der Orientierung in ihrem neuen Lebensumfeld

  • Vermittlung von Kenntnissen und Erfahrungen zu Migrations- und  Integrationsprozessen

  • Vorstellung von infrage kommenden Netzwerken/Einrichtungen

 

Aktivitäten: Das Modell wurde fortlaufend an Marler Verhältnisse angepasst, es ging einerseits um möglichst Konkretes, Anwendbares und Lebenspraktisches für die Teilnehmenden, andererseits um die aktuelle politische Lage und um die finanziellen Möglichkeiten der Stadt. Es wurden dem Modell entsprechend in der insel-VHS Marl 12 Abende zur Fortbildung angeboten, davon besetze Angelika Müller die größte Einheit mit den ersten drei Abenden, neun Unterrichtsstunden entsprechend.

Erfreulich war die Teilnahme von jüngeren Menschen, obwohl sie nicht über so viel Freizeit wie die Teilnehmenden der Ruhestandsphase verfügen. Ungefähr 50 Teilnehmende wurden bisher in drei Kursen qualifiziert.


 

Die Themenbereiche der drei UE der Historikerin: 

  1.  Zuwanderung – Deutschland und Marl im 20.und 21. Jahrhundert

  2.  Migration – Ursachen, Formen und Fähigkeiten

  3.  Religion  –  Islam und Islamismus   

Das niedersächsiche Modell berücksichtigt Historisches und Biographisches/Bedeutung von Identität, nicht aber Religion als selbstständigen Themenbereich; diese wird vermutlich indirekt zur Sprache kommen in den anderen Feldern wie „Kultursensibilität“ oder „Kommunikationsmodelle“. Müller war der religiöse Bezug sehr wichtig, da er nach ihren Erkenntnissen eng mit Migrationserfahrung und Identität verknüpft ist.

 

1. In der ersten Einheit geht es um Sensibilisierung von Biographie/ Heimat/Identität und um die Darstellung Deutschlands als Zuwanderungsland, u.a. am Beispiel der Heimatvertriebenen. Marl als Stadt von Bergbau und Chemie als Ziel von Erwerbszuwanderern, besonders masurischer, polnischer und türkischer Gruppen. Marl als Stadt mit über 120 Nationalitäten als Ziel von Bürgerkriegs- und Kontingentflüchtlingen. 


2. Präsentation von Materialien zu Ursachen und Formen der Migration wie Kriegsflucht, Armuts- und Arbeitsmigration. Selbstständige Erarbeitung und Darbietung durch Gruppen der Teilnehmenden. Darstellung von Beispielen interkultureller Kompetenz durch die Dozentin an biographischen Beispielen von Marler Zugewanderten der zweiten und dritten Generation.

 

3. Bereits in den Einheiten 1 und 2 spielt der religiöse Aspekt eine Rolle. Im Einheit 3 geht es speziell um den Islam. Dieser wird häufig mit Islamismus gleichgesetzt und ist seit Sept. 2001 mit Phobie besetzt und stellt Muslime schnell unter Generalverdacht. Es ist die Religion der meisten Migranten und Flüchtlinge seit 2015 in Deutschland und stellt zumindest für die erste Generation ihren Identitätsanker dar. Daher brauchen die angehenden Integrationslotsen eine Basisvorstellung über die Besonderheiten der Religion und über die Identitätsprobleme, die sich für Ankömmlinge und für Muslime mit Migrationshintergrund ergeben.                      

Zum besseren Verständnis der politischen Lage, die die Fluchtbewegungen auslöst, dient ein Exkurs über den muslimischen Extremismus, zumal die Anwerbung unter frustrierten jungen Menschen, auch in Deutschland, ein besorgniserregendes Phänomen ist. Abschließend soll ein Beispiel des rechtsradikalen Extremismus in Deutschland bewusst machen, dass dieser ebenso bedrohlich zunimmt.                                                                                                                     

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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